Die grenzübergreifende Kooperation  K U L T U R B R Ü C K E   Ü B E R   D I E   O D E R  wurde 2009 vom "Kulturförderverein Kloster Altfriedland e.V.“ ins Leben gerufen und hat seitdem mit zahlreichen Projekten auf der polnischen und der deutschen Seite der Oder einen lebendigen interkulturellen Austausch bewirkt und wichtige Impulse zur Entwicklung der kulturtouristischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder gesetzt. 
 M e h r  l e s e n ...

   T h e m e n  2018

   T e r m i n e  2018

Ziel der Arbeit ist es, im grenznahen Bereich der mittleren Oder mit kulturellen Begegnungen auf das gemeinsame
kulturelle Erbe der alten Kulturlandschaft „Lebuser Land“ aufmerksam zu machen und einen Beitrag zur
Identitätsfindung der Menschen in diesem Landschaftsraum zu leisten, der erst nach dem zweiten Weltkrieg in eine
polnische und eine deutsche Grenzregion zerfiel. Getrennt durch die Oder, geteilt durch die Folgen von Flucht und
Vertreibung sowie durch sprachliche und soziokulturelle Barrieren, hatten es die Menschen insbesondere in der
polnischen Grenzregion schwer, ein gemeinschaftliches Bewusstsein für den von ihnen bewohnen Raum zu finden.
Heute, in einem einigen Europa, schwindet das Trennende wieder. Empfanden die Alten ihre Region oft noch als
fremd, fühlt die junge Generation sich mittlerweile heimisch. Dennoch sind die kulturellen, religiösen und politischen
Unterschiede zwischen Polen und Deutschen noch deutlich verfestigt. Die komplizierten geschichtlichen Ereignisse
haben diesen Annäherungsprozess erschwert.
Es hat sich schon viel verändert, Mauern wurden eingerissen und die traditionellen Ansichten von Patriotismus und
Vaterland haben sich entschieden gewandelt. Auch der Begriff der „Heimat“ erfährt angesichts der internationalen
Globalisierung eine zunehmende Relativierung. Schließlich trägt auch das bürgerschaftliche Engagement der
deutschen Nachbarn zur emotionalen „Einwurzlung“ der Einwohner dieses Gebiets bei. Die Vermittlung der
kulturellen Werte der seit hunderten von Jahren gewachsenen Kulturlandschaft und die Vermittlung der
gemeinsamen Geschichte sind dabei wichtige Aspekte. Durch die kontinuierliche Projektarbeit in den vergangenen
zwölf Jahren konnte ein grenzübergreifendes Netzwerk kultureller, sozialer und kirchlicher Einrichtungen
entwickelt werden, auf dessen Grundlage sich viele Menschen aus beiden Ländern begegnet sind.
Das Projekt KULTURBRÜCKE ÜBER DIE ODER trägt dazu bei, den interkulturellen Dialog im deutsch-polnischen
Grenzgebiet zu fördern und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der der Region des alten Lebuser Landes östlich und
westlich der Oder zu stärken. Das Projekt leistet einen Beitrag zur kulturellen Belebung der Region und damit auch
zur Belebung des Tourismus und der wirtschaftlichen Infrastruktur. Ungeachtet der nationalen und kulturellen
Unterschiede fördert das Projekt den Abbau mentaler Barrieren und die Entwicklung einer
grenzübergreifenden Identität und damit die deutsch-polnische Verständigung.

Kulturbrücke über die Oder  2018  -  Deutsch-polnische Wechselwirkungen in Kultur und Geschichte
Gegenstand des diesjährigen Projekts sind die deutsch-polnischen Wechselwirkungen in Kultur und Geschichte.  Die nachfol­genden drei Themenfelder, in denen sich die gegenseitigen Einflüsse der deutschen und polnischen Musik in anschaulicher Weise spiegeln, bilden den inhaltlichen Rahmen einer Veranstaltungsreihe an drei polnischen und drei deutschen Orten östlich und westlich der Oder.

 

Themen 2018: 

Adam Jarzębski: Reisender, Komponist und Baumeister zwischen Warschau und Berlin
Adam A. Jarzębski (1590-1649) war eine universelle künstlerische Begabung. Zunächst war Violinist der Hofkapelle des brandenburgischen Kurfürsten Johann Siegismund, der ihn viele Städte Europas führte. Später war er Mitglied der polnischen Hofkapelle in Warschau. Als Anerkennung für seine Leitungen 1635 wurde er als Baumeister von König Wladislaw IV. mit der Beaufsichtigung des Baus des Palastes von Ujazdów beauftragt. In seinen „Canzoni und Concerti“ spiegeln sich slawische, italienische und deutsche Einflüsse. 

Georg Philipp Telemann: Sein Wirken an der Hofkapelle in Sorau
Der junge Georg Philipp Telemann verbrachte auf Einladung des Fürsten Erdmann II von Promnitz vier Jahre als Dirigent der Hofkapelle in Sorau, dem jetzigen Zary in Polen. Telemann lernte dort und auf Reisen in die Umgebung die polnische Volksmusik kennen, die ihn inspirierte. So entstanden zahlreiche Kompositionen die durch polnische Lieder und Rhythmen beeinflusst wurden. Im gleichen Maße waren auch die polnischen Komponisten von dem universalen Stil Telemanns begeistert und verfassten ihrerseits eine paneuropäisch inspirierte Musik. Diese fruchtbare musikalische Wechselwirkung darzustellen ist Thema des diesjährigen grenzübergreifenden Projekts „Kulturbrücke über die Oder“.

Grenz und Begegnungsräume - Drei Veranstaltungen zum Thema „80 Jahre Polenaktion“
In diesem Jahr jährt sich zu 80. Mal die Zwangsausweisung polnischer Staatsbürger jüdischen Glaubens aus dem "Deutschen Reich".  Für viele wurde diese „Aktion“ zum Beginn des unausweichlichen Weges in die Vernichtungslager. Wir wollen mit drei musikalischen Veranstaltungen in Zbaszyn (Polen), Beeskow (Land Brandenburg) und Berlin an die politischen Ereignisse dieser Zeit erinnern.
Im Rahmen der so genannten "Polenaktion" am 28. und 29. Oktober 1938 wurden etwa 18.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit (so genannte "Ostjuden") über Nacht aus dem "Dritten Reich" ausgewiesen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes gegenüber den Juden stellte einen ersten Höhepunkt der Verfolgung dar und war der eigentliche Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden. Etwa 10.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit, darunter Klein- und Kleinstkinder, wurden auf dem Bahnhofsgelände der damaligen Grenzstadt Bentschen (jetzt Zbąszyń) unter menschenunwürdigen Bedingungen interniert. Nur denjenigen, die in Polen Angehörige nachweisen konnten, wurde die Einreise genehmigt. Zeitzeugen sprachen von chaotischen Zuständen. Mehrere tausend Menschen irrten im Niemandsland umher, drängten sich auf dem Bahngelände, hausten im Stationsgebäude oder auf nahe gelegenen Plätzen in der polnischen Grenzstadt Bentschen sowie auf den die Stadt umgebenden Wiesen. Dieses kam für die polnischen Behörden überraschend, so dass sie unter den gegebenen Umständen völlig überfordert waren. Viele wurden von dort deportiert und landeten später in Vernichtungslagen.

 

Termine 2018:

Samstag, 1. September  16 Uhr -  Kostrzyn (Küstrin) Konzert in der Schlossruine der historischen Altstadt

Konzert im Rahmen des Altstadtfestes

Ensemble Zaffiro
Frederique Brillouin, Barock-Oboe
Christine Allanic, Barock-Oboe
Wolfgang Kube,  Bass Oboe
Monika  Fischalek, Fagott
Werken von A.Jarzębski, G.G. Gorecki,  S.S. Szarzynski, G. Frescobaldi u.a.

In Zusammenarbeit mit: Muzeum Twierdzy Kostrzyn

 

Samstag, 29. September, 16 Uhr   -   Biecz (Beitzsch)   Konzert in der „George-Bähr-Kirche“

Aldona Bartnik (Pl), Sopran
Concerto Grosso Berlin
Telemann und die polnische Musik
Werke von S.S. Szarzynski, A.Jarzębski, A. Milvid, G.P. Telemann und J.S. Bach

In Zusammenarbeit mit Parafia pw. Wszystkich Świętych - Brody Żarskie
und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin

 
Sonntag, 30. September, 17 Uhr   -   Konzert in der Stadtpfarrkirche Müncheberg

Aldona Bartnik (Pl), Sopran
Concerto Grosso Berlin
Telemann und die polnische Musik
Musik von S.S. Szarzynski, A. Jarzębski, A. Milvid, G.P. Telemann und J.S, Bach

In Zusammenarbeit mit der Betreibergesellschaft der Stadtpfarrkirche Müncheberg

 
Sonntag, 21. Oktober, 11 Uhr  -   Konzert in Lomnica (Lomnitz) bei Zbąszyń, Alte Holzkirche

Das Diplomatische Streichquartett
Werke von  W.A. Mozart, Fanny Hensel, J.S. Bach u.a.
In Zusammenarbeit mit Gmina Zbąszyń und der "Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin"

 
Sonntag, 21. Oktober, 17 Uhr  -   Konzert in Zbąszyń/Bentschen, Filharmonia Folkloru Polskiego

Das Diplomatische Streichquartett
Werke von F. Mendelssohn Bartholdy, G. Bacewicz, M. Weinberg 

Konzert in Erinnerung an die "POLENAKTION" Ende Oktober 1938
In Zusammenarbeit mit Gmina Zbąszyń und der "Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin"

 

 
Freitag, 2. November, 19 Uhr  -  Konzert in Beeskow, Burg Beeskow

Das Diplomatische Streichquartett
Werke von F. Mendelssohn Bartholdy, G. Bacewicz, M. Weinberg

Konzert in Erinnerung an die "POLENAKTION" Ende Oktober 1938
In Zusammenarbeit mit "Burg Beeskow", Bildungs-, Kultur- und Ausstellungszentum des Landkreises Oder-Spree

 

Dienstag, 6. November, 20 Uhr - Konzert in der Mendelssohn-Remise, Berlin-Mitte, Jägerstr. 51

Das Diplomatische Streichquartett
Werke von F. Mendelssohn Bartholdy, G. Bacewicz, M. Weinberg
Konzert in Erinnerung an die "POLENAKTION" Ende Oktober 1938

in Zusammenarbeit mit SHARING HERITAGE EUROPÄISCHES KULTURERBEJAHR 2018

 
   

Die Veranstaltungen sind Begegnungskonzerte mit polnischen und deutschen Besuchern. Die Konzerte werden in deutscher und polnischer Sprache moderiert. Es sollen sowohl die jeweiligen inhaltlichen Beziehungen zwischen deutscher und polnischer Musik dargestellt werden, sondern auch die Beziehungen der Musik zu den jeweiligen Orten. Zu den Orten werden Busreisen organisiert. Als Rahmenprogramm gibt es kunsthistorische Führungen und einen Imbiss.

Projekt in Zusammenarbeit mit:
Kulturfeste im Land Brandenburg e.V.
Gmina Zbąszyń
Muzeum Twierdzy Kostrzyn
Parafia Żary
Słońsk -Muzeum-Martyrologii
Burg Beeskow, Bildungs- und Kulturzentrum
Müncheberger Konzerte
Deutsch-polnische Gesellschaft Berlin
Sharing Heritage
Menselssohn-Remise Berlin


Finanzierung:
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
Euroregion pro Europa Viadrina INTERREG Va 4
Sharing Heritage – Europäisches Kulturerbejahr 2018 (Veranstaltung am 6. November 2018)


Veranstalter:
Kulturförderverein Kloster Altfriedland e.V
Projektleitung:
Ernst Herzog, Nostitzstr. 29, 10965 Berlin, Tel. 0049(0)30-6917566
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Informationen: www.kulturbruecke.eu

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen
des Kooperationsprogramms INTERREG V a Brandenburg - Polen 2014-2020 der Euroregion
Pro Europa Viadrina kofinanziert.